Konzert 2006 / 10.11.2006 / Franz. Kirche Bern / 20.00 Uhr

Ethel Smyth (1858 - 1944)

Messe in D-Dur (Berner Erstaufführung)

 

Ethel Smyths erster großer Erfolg, die Mass in D (deutsch Messe in D), war die musikalische Verarbeitung einer heftigen Verliebtheit in die römisch-katholische Pauline Trevelyan. Die Messe in D ist eines der wichtigsten Werke von Ethel Smyth, sie selbst hielt es für ihre beste Arbeit. Die Uraufführung der Messe in der Royal Albert Hall in London verdankte Ethel Smyth jedoch letztlich ihren gesellschaftlichen Beziehungen. Zu den Bekannten der Familie gehörte auch die exilierte französische Kaiserin Eugénie de Montijo, die mit der Messe wohlvertraut war, da ein Teil des Werkes entstanden war, als Ethel Smyth zu Gast in ihrem Ferienhaus war. Sie arrangierte, dass Ethel Smyth Königin Viktoria und ihrem Hofstaat auf Schloss Balmoral Teile der Messe vorspielen durfte (ein Erlebnis, zu dem Smyth angesichts der dort allgegenwärtigen Schottenmuster auch anmerkte, dass es „schmerzhafter ästhetischer Konzessionen bedarf, Königin von Schottland zu sein“). Dieses Vorspiel und die Zusage Eugénies sowie mehrerer Mitglieder des englischen Königshauses, der Uraufführung beizuwohnen, sorgten dafür, dass sich die Konzertleitung der Royal Albert Hall bereit fand, die Messe der noch weitgehend unbekannten Komponistin im März 1893 zur Aufführung zu bringen. Die Aufführung war ein Erfolg, George Bernard Shaw schrieb eine begeisterte Kritik, während ein anderer Kritiker sich darüber amüsierte „eine Komponistin zu sehen, die versucht, in dem hochfliegenden Bereiche der musikalischen Kunst zu steigen."